Deutsche Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren e.V.

Praxis und Innovation in der Endoskopie

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Nachruf

Die Deutsche Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren trauert um ihr Mitglied, Herrn Prof. Dr. med. Monther Bajbouj, der in der Nacht vom 12. auf den 13.05.2020 von uns ging. Er hinterlässt eine Ehefrau und drei minderjährige Söhne. Der Schmerz, den die Familie erleidet, den geliebten Ehemann und Vater zu verlieren, lässt sich nur erahnen. Wir empfinden ein tiefes Mitgefühl und trauern mit den Angehörigen.

Der Tod von Monther Bajbouj kam trotz seines noch jungen Alters nach langer Krankheit nicht unerwartet, dennoch sind wir schockiert. Es ist das eingetreten, was man nicht wahrhaben wollte. Die Lücke, die er hinterlässt, ist nicht aufzufüllen. Zu einzigartig war er! Er war zwar niemals im Beirat, geschweige denn im Vorstand unserer Gesellschaft, dennoch war er immer präsent. Jeder, der ihn auch nur entfernt kannte, erinnert sich sicherlich an seine Vorträge. Er referierte lehrreich und praxis-orientiert, amüsant, aber immer wissenschaftlich solide vorbereitet. Die meisten unter uns können sich wahrscheinlich noch an die Grillabende im Hause Bajbouj am Eröffnungstag der jeweiligen Jahrestagung (soweit München der Kongressort war) erinnern. In der Nähe des Kongresses, in Bogenhausen, wurde in ungezwungener Runde geredet, gefeiert, gegessen und getrunken. Vielen gefiel der inoffizielle Teil im Hause Bajbouj so gut, dass der Besuch des offiziellen Gesellschaftsabends manchmal in den Hintergrund rückte und man spät oder auch gar nicht dort erschien. Monther war der perfekte Gastgeber, jeder war willkommen (auch die nicht-eingeladenen Gäste), niemand war unerwünscht! An diesen Abenden zeigte er uns allen, wie er war: offen, liebenswert, loyal, zuverlässlich, verständnisvoll und mit einem großen Herz ausgestattet.

Monther Bajbouj wurde am 21.12.1972 in Dortmund geboren. Er hatte immer eine starke emotionale Bindung zu seiner Heimatstadt – nicht zuletzt aus diesem Grunde war er auch ein enthusiastischer BVB-Fan. Obwohl er mehr als die Hälfte seines Lebens in Süddeutschland verbrachte, blieb er ein Kind des „Potts“ mit syrischen Wurzeln. Mit dem Abitur stellte sich die Frage, eine Karriere als Fußballer oder als Arzt zu beginnen. Er orientierte sich an seinem Vater, einem Pädiater, und beschloss sich der Medizin zu widmen. Eine gute Entscheidung!

Das Medizinstudium absolvierte er vor allem in Ulm. Dort erfolgte über die Dissertation der Einstieg in die Gastroenterologie. In Ulm lernte er auch seine spätere Frau, kennen und lieben. Mit dem Wechsel von Professor Roland Schmid von der Donau an das Klinikum rechts der Isar, kam auch Monther Bajbouj in der bayrischen Landeshauptstadt an. Er wollte sich schon frühzeitig eher der klinischen Forschung widmen. Und so kam der Kontakt zu den AGs Meining und Feussner. In einem unschlagbaren Team mit Stefan von Delius und Valentin Becker auf Seiten der Gastroenterologie und Dirk Wilhelm seitens der Chirurgie wurde Monther Bajbouj zum klinischen Forscher. Sein Themengebiet: Erkrankungen des Ösophagus – Ein Thema, das er als Schwerpunkt beibehielt. Monther habilitierte sich nahezu in Rekordzeit und engagierte sich stark in der Deutschen Gesellschaft für Dysphagie. Dass die DGD so stark an die DGE-BV assoziiert ist, ist sicherlich auch sein Verdienst. Vom „Lehrling“ wurde er zum „Lehrer“, er wurde Oberarzt, geschäftsführender Oberarzt und leitender Oberarzt, bevor er (in logischer Konsequenz) im Oktober 2017 Chefarzt der Abteilung Innere Medizin am Rotkreuzklinikum München wurde.

Leider ereilte ihn nur einige Monate nach dem Beginn seiner neuen Tätigkeit die Diagnose, die letztendlich zu seinem Ableben führte. Monther hat die Erkrankung offen und mit viel Humor – ganz nach seiner Art – kommuniziert. Wo viele andere in der Depression verschwinden, war er weiter präsent: am Vormittag die Chemotherapie, am Nachmittag Arbeiten in der Klinik. Wie er diese Krise bewältigte, machte ihn zum stillen Helden: Chapeau! Schließlich konnte er weder sein Team noch seine Patienten im Stich lassen. Am Ende blieb jedoch leider nichts übrig – Krankheit und Tod machten ihm einen Strich durch die Rechnung.

Er hinterlässt viele um ihn Trauernde: seine Patienten, seine Mitarbeiter und Kollegen, seine Freunde, seine Familie und nicht zuletzt seine Ehefrau und die drei Jungs.

Monther war ein guter, nein – er war ein sehr guter Arzt – einer, für den der Patient im Mittelpunkt steht. Er war einer der Sorte, die eher im Stillen wirkt und auch ohne die große Bühne auskommen. Er war jemand, der in seinem Gegenüber immer vor allem den Menschen sah und nie die Erkrankung, die fachliche Kompetenz oder Position. Alle, die ihn kannten wussten seine Empathie, seinen Humor aber auch sein großes Fachwissen zu schätzen.

Monther Bajbouj, du warst etwas ganz Besonderes! Wir werden dich vermissen – als Arzt, als Freund und als Mensch! Und wir sind dankbar, Dich gekannt zu haben!

Alexander Meining und Dirk Wilhelm im Namen des Vorstands der DGE-BV